
In der Welt der Embedded Systems stellt sich immer häufiger die Frage: Rust oder C++? Beide Sprachen versprechen effiziente und performante Programmierung eingebetteter Systeme, doch ihr Ansatz unterscheidet sich grundlegend. Dieser Leitfaden hilft dir dabei, fundiert zu entscheiden, welche Sprache sich für dein nächstes Embedded‑Projekt eignet. Er zeigt die Vorteile von Rust (etwa eingebaute Speicher- und Thread-Sicherheitsgarantien) gegenüber C++, das auf optionaler Entwickler-Disziplin basiert. So entwickelst du sichere und effiziente Systeme ohne unnötige Umwege.
C++ ist der langjährige Platzhirsch im Embedded-Bereich. Seit Jahrzehnten dominiert C++ (und sein Vorläufer C) die Programmierung von Embedded Systems. Das hat gute Gründe, denn C++ bietet direkten Hardware-Zugriff und feinkörnige Kontrolle über Speicher und Ressourcen. In Bereichen mit knappen Ressourcen und harten Echtzeit-Anforderungen konnte sich C++ einen Namen machen. Hinzu kommt ein riesiges Ökosystem an Toolchains, Microcontroller-SDKs, Frameworks und bestehendem Code. Viele Milliarden Zeilen Legacy-Code laufen zuverlässig in Fahrzeugen, Industrieanlagen oder IoT-Geräten – diesen Schatz ersetzt man nicht mal eben über Nacht.
Rust ist der Newcomer mit Sicherheitsversprechen. Rust ist im Vergleich noch der neue Star am Embedded-Himmel. Bekannt geworden durch die Mozilla-Community, bringt Rust frischen Wind: Die Sprache bietet Compile-Time Memory Safety und Fearless Concurrency, also Speichersicherheit und Nebenläufigkeit, ohne Garbage Collector und ohne Leistung einzubüßen. Rusts Compiler erzwingt sauberen Code. Also vergiss Buffer Overflows, Null Pointer Dereferences oder Data Races, der Borrow-Checker von Rust lässt solche Fehler gar nicht erst kompilieren. Gleichzeitig erzeugt Rust hochoptimierten Maschinencode, der in Performance-Tests mit C++ mithalten kann. Kein Wunder, dass Rust in Entwickler-Umfragen regelmäßig als eine der beliebtesten Sprachen auftaucht.
Altbewährt vs. modern – worauf stützt du dich? Während C++ auf die Erfahrung und Disziplin der Entwickler baut (“Mach nichts Unsicheres, pass auf deine Zeiger auf!”), verfolgt Rust einen strengeren Ansatz: Safety by design. Das bedeutet, viele Fehlerquellen werden durch die Sprache selbst ausgeschlossen. C++ kann durchaus sicher genutzt werden mit modernen C++-Standards, Smart Pointern, const-Korrektheit, static analysers und strengen Code Reviews. Doch all das sind optionale Maßnahmen, die zusätzliche Arbeit erfordern. Rust hingegen bringt Sicherheitsnetz und moderne Spracheigenschaften von Haus aus mit. Der Vergleich läuft also auf folgendes hinaus: Rust vs C++ im Embedded-Kontext ist eingebaute Garantie gegen optionale Vorsichtsmaßnahme. Im nächsten Schritt schauen wir uns die Details dieser Unterschiede an.
Im Folgenden tauchen wir tiefer ein und vergleichen Rust und C++ in den Bereichen Speicherverwaltung, Nebenläufigkeit, Typ- & Fehlerbehandlung, Mutabilität sowie Tooling. Dabei wirst du sehen, wie Rusts Ownership-Modell Buffer Overflows und Use-After-Free-Fehler verhindert und wie Zero-Cost Abstractions Hochleistung ohne Garbage Collector ermöglichen.
In C++ liegt die Verantwortung für Speicher bei dir als Entwickler. Du kannst Speicher mit new oder malloc allozieren und musst ihn mit delete oder free wieder freigeben oder du nutzt moderne Ansätze wie std::unique_ptr oder std::shared_ptr, die mittels RAII den Speicher automatisch räumen. Theoretisch kannst du so Speicherprobleme vermeiden, aber in der Praxis führen kleine Fehler schnell zu Memory Leaks, Doppel-Frees oder Buffer Overflows. C++ bietet keine eingebaute Prüfung von Zeigern oder Array-Grenzen, sondern es liegt an deiner Disziplin (oder zusätzlichen Tools), solche Fehler zu finden. Ein Großteil berüchtigter Sicherheitslücken (Schätzungen sprechen von ~70% aller Sicherheitsbugs) sind auf Speicherprobleme in C/C++ zurückzuführen.
Rusts Ansatz ist radikal anders: Durch das Ownership-Modell und den Borrow-Checker stellt der Compiler sicher, dass Speicher sicher gehandhabt wird. Jede Variable hat genau einen Besitzer und klare Lebenszeit. Wird ein Objekt außer Reichweite gebracht, gibt Rust den Speicher automatisch frei (ohne Garbage Collector, sondern deterministisch beim Verlassen des Gültigkeitsbereichs). Doppeltes Freigeben ist ausgeschlossen und jede Referenz muss gültig sein, solange sie benutzt wird, sonst gibt es nicht mal ein ausführbares Programm. Buffer Overflows werden ebenfalls vermieden, da Zugriffe auf Arrays oder Vec standardmäßig die Grenzen prüfen (im Release-Build optimiert Rust dies auch weg, behält aber Sicherheitschecks in der Entwicklung bei). Kurz gesagt: Rusts Compiler übernimmt die Wächterrolle, die in C++ dir und externen Tools überlassen ist. Das Ergebnis: deutlich weniger Zeit beim Debuggen von Speicherfehlern und ein beruhigendes Gefühl, dass bestimmte Bugs einfach nicht passieren können.
C++ bietet mit Threads, Mutexen, Atomics usw. mächtige Werkzeuge für Parallelität. Allerdings kann der Compiler dich kaum schützen, wenn mehrere Threads gleichzeitig auf dieselben Ressourcen zugreifen. Datenrennen (Race Conditions) und Deadlocks sind berüchtigte Fallen in multithreaded C++ Programmen. Es erfordert viel Sorgfalt und know-how, Threading in C++ sicher zu implementieren. Zwar gibt es Bibliotheken und Patterns (z.B. Actor-Model, std::future/std::async oder das neuere std::jthread), doch letztlich bleibt es bei dir, Zugriffe zu synchronisieren und gemeinsame Daten korrekt abzusichern.
Rust hat Thread-Safety direkt im Typensystem verankert. Die Sprache definiert Traits wie Send und Sync, die bestimmen, ob ein Typ zwischen Threads verschoben oder geteilt werden darf. Types die nicht sicher parallel genutzt werden können (z.B. solche, die keinen Mutex haben, aber veränderbar sind) können per se nicht in andere Threads übertragen werden, es sei denn, du machst es explizit unsafe. Darüber hinaus stellt der Borrow-Checker sicher, dass auf eine veränderbare Variable immer nur ein Thread bzw. ein Besitzer zur gleichen Zeit zugreift. Möchtest du trotzdem mehrere Zugriffe, musst du bewusst Synchronisationsprimitiven wie Mutex oder Arc (Atomically Reference Counted pointer) einsetzen, diese sind in Rust aber ebenfalls sichere Abstraktionen, die verhindern, dass du sie falsch anwendest (z.B. verpackt std::Mutex den Zugriff in ein Lock-Objekt, das automatisch freigegeben wird, wenn es aus dem Scope geht). Datenrennen erkennt Rust zur Compile-Zeit und verweigert den Build. Das heißt nicht, dass du nie einen Deadlock oder logischen Fehler machen kannst, aber viele gängige Fehler in Multithreading werden von Rust bereits im Keim erstickt. “Fearless Concurrency” nennt es die Rust-Community, weil man sich getraut, Nebenläufigkeit zu nutzen, ohne permanent Angst vor versteckten Race Conditions haben zu müssen.
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Cyberskamp Quiz kennenlernenC++ ist statisch typisiert und sehr flexibel (Templates, Überladung, etc.). Doch es gibt altbekannte Fallstricke: Das offensichtliche Beispiel ist der Nullzeiger. In C++ (wie in C) kann ein Zeiger oder Pointer nullptr sein. Wenn man vergisst das abzufangen und darauf zugreift, gibt’s einen Absturz. C++ hat keine eingebaute Option für “kein Wert”; man verwendet entweder Disziplin (“Check auf nullptr”) oder Hilfstypen wie std::optional oder Smart Pointer. Ähnlich ist es bei Fehlern, denn C++ bietet Exceptions, aber in Embedded Systems werden Exceptions oft aus Performance- oder Platzgründen abgelehnt. Viele Embedded-Teams deaktivieren Exceptions und arbeiten lieber mit Rückgabecodes (z.B. 0 für Erfolg, -1 für Fehler) oder besonderen Werte, was jedoch leicht ignoriert werden kann. Das bedeutet, Fehlerbehandlung in C++ ist oftmals dem Entwickler überlassen. Man muss selbst strikt sein, jede Funktion auf Fehler zu prüfen oder try-catch Blöcke sauber nutzen, falls Exceptions erlaubt sind.
Rusts Typensystem ist moderner und strenger. Ein großer Vorteil: Null gibt es nicht. Stattdessen hat Rust den Option-Typ, der Some(T) oder None sein kann. Man muss diesen Fall also explizit behandeln, sonst kompiliert es nicht. Für Fehler gibt es den Result<T, E> Typ, der entweder Ok(T) (Ergebnis) oder Err(E) (Fehler) ist. Du bist gezwungen, dich mit beiden Fällen auseinanderzusetzen, entweder durch match-Anweisungen oder komfortabel mit dem ?-Operator, der im Fehlerfall die Funktion frühzeitig mit dem Fehler-Ergebnis zurückkehren lässt. Zusammengefasst zwingt Rust also zu solider Fehlerbehandlung, was zu robusteren Programmen führt. Auch Dinge wie Integer-Überläufe werden in Rust im Debug-Modus erkannt (im Release aber aus Performancegründen nicht, außer man aktiviert es). Das Typensystem bietet zudem mächtige Konstrukte wie Algebraic Data Types (Aufzählungen mit Varianten) und Pattern Matching, mit denen sich Zustände und Fehler eleganter abbilden lassen als mit herkömmlichen enum+switch in C++. Insgesamt hilft Rusts striktes Typensystem dabei, viele Fehler bereits zur Entwicklungszeit abzufangen, was in C++ oft erst während Tests oder im schlimmsten Fall beim Kunden auffällt.
In C++ sind Variablen per Default veränderbar. Nur wenn du explizit const davor schreibst, wird etwas unveränderlich. In der Praxis schreiben viele Entwickler const jedoch nicht konsequent, was dazu führt, dass Variablen ungewollt verändert werden können. C++’s const-System ist zudem manchmal knifflig (Stichwort const correctness). Man muss genau wissen, wo const steht (links/rechts vom Typ), um zu verstehen, was konstant ist. Fehlende Konstanz kann Bugs begünstigen, wenn z.B. versehentlich ein Wert überschrieben wird.
Rust dreht das Prinzip um: Variablen sind standardmäßig unveränderlich. Willst du eine Variable verändern, musst du sie mit mut markieren. Das führt zu einem bewussteren Programmierstil, denn du überlegst dir genau, was wirklich geändert werden muss. Alles andere bleibt schreibgeschützt, was dem Compiler wiederum hilft, Optimierungen durchzuführen und Thread-Safety zu garantieren. Mutabilität ist in Rust also etwas, das man explizit opt-in statt wie in C++ opt-out handhabt. Darüber hinaus gibt es in Rust das Konzept der Immutability by default auch auf höherer Ebene. Z.B. mehrere Referenzen (&T) auf eine Ressource sind ok, solange keiner davon mutabel ist. Soll eine Referenz veränderbar sein (&mut T), darf sie allein sein. Diese Regeln verhindern eine ganze Klasse von Fehlern. Für dich als Entwickler bedeutet es anfangs eine Umgewöhnung, aber schnell merkt man, dass mit weniger versteckten Änderungen im Code das Verhalten auch viel vorhersagbarer wird.
C++ existiert seit den 80ern, folglich gibt es eine Vielfalt an Tools, allerdings keine einheitliche Lösung. Bei C++-Projekten triffst du auf Makefiles, CMake, meson oder andere Build-Systeme, dazu vcpkg, Conan oder gar manuelles Handhaben von Bibliotheken. Das Einrichten einer Entwicklungsumgebung kann komplex sein und Abhängigkeiten zu managen ist manchmal mühsam. Für Analyse und Debugging hat die C++-Welt starke Tools (z.B. Valgrind zur Laufzeitanalyse von Speicher, AddressSanitizer/ThreadSanitizer zum Aufdecken von Problemen, clang-tidy für Linting). Diese Werkzeuge sind mächtig, aber oft externe Komponenten, die man gezielt einsetzen muss. Positiv ist, dass nahezu jeder Microcontroller-Hersteller out of the box Unterstützung für C/C++ bietet, sei es durch einen mitgelieferten GCC Compiler, IDEs wie Keil/ARM oder IAR, und durch Sample-Code und Treiber in C/C++. Hier spielt die reife Ecosystem von C++ seine Stärke aus, denn für fast jedes Problem gibt es irgendwo eine Lösung oder Library, wenn auch nicht immer qualitativ konsistent.
Rust glänzt mit einem modernen, integrierten Tooling-Erlebnis. Das Herzstück ist Cargo, Rusts Paketmanager und Build-System in einem. Mit einem einzigen Tool erstellst du ein neues Projekt, fügst Abhängigkeiten hinzu, baust, testest und packst dein Programm, inklusive automatischer Fetches von Libraries (Crates) aus dem zentralen Repository crates.io. Dadurch fühlt sich das Aufsetzen eines neuen Projekts in Rust sehr einheitlich an. Außerdem bringt Rust Standard-Tools gleich mit: rustfmt für einheitliche Formatierung, clippy für Linting (der hilfreiche Hinweise zur Code-Qualität gibt) und hervorragende Fehlermeldungen vom Compiler, die Neueinsteiger zwar erschrecken mögen, aber unglaublich lehrreich sind. Das Rust-Ökosystem für Embedded ist in den letzten Jahren stark gewachsen. Es gibt das embedded-hal als Hardware Abstraction Layer, viele Mikrocontroller werden durch Community-Projekte unterstützt (z.B. stm32f4xx-hal für STMicro-Elektronik oder nrf-hal für Nordic-Chips). Dennoch muss man fair sagen, dass Rusts Embedded-Ökosystem noch wesentlich jünger ist. Nicht jede exotische Architektur hat schon einen optimierten Rust-Compiler oder offizielle Vendor-Unterstützung. Hier und da ist Pionierarbeit gefragt, beispielsweise eigene unsafe Treiber schreiben oder vorhandene C-Bibliotheken einbinden. Aber die Rust-Community ist äußerst aktiv und hilfsbereit; ständig erscheinen neue Crates und selbst große Player (siehe unten) tragen zum Ökosystem bei. Unterm Strich bietet Rust eine moderne Entwickler-Erfahrung, bei der vieles „out of the box“ funktioniert, während man in C++ manchmal ein wenig länger das Werkzeug justieren muss, bevor man produktiv loslegen kann.
Kein Vergleich wäre vollständig ohne einen Blick auf die praktischen Herausforderungen und beispielhaften Einsatzgebiete. Warum ist nicht längst alles in Rust geschrieben, wenn es so toll klingt? Hier beleuchten wir Lernkurve, Ökosystem-Reife, Integration in bestehende Projekte sowie Anwendungsfälle von sicherheitskritischen Systemen bis IoT-Geräten.
Die Lernkurve von Rust ist unbestritten steiler als die von C++. Vor allem für Entwickler, die aus der C/C++ Welt kommen. Das Konzept von Ownership und Borrowing erfordert ein Umdenken. Anfangs kann es frustrierend sein, wenn der Compiler deinen Code immer wieder zurückweist, obwohl du “eigentlich weißt, was du tust”. Viele Rust-Einsteiger scherzen: „Mein Code kompiliert nicht, also kann er keinen Bug haben.“, weil der Compiler so streng ist, fühlt es sich an, als kämpfe man erstmal gegen ihn, bevor man mit ihm produktiv wird. Das kostet Zeit und Geduld. Teams, die seit Jahren in C++ entwickeln, müssen also in Weiterbildung investieren, wenn sie Rust einführen wollen. Anders gesagt: Ein C++-Experte ist nicht über Nacht ein Rust-Experte. Diese Anfangshürde ist etwas, das die schnelle Verbreitung von Rust im Embedded-Bereich bremst. Allerdings – und das ist wichtig – lohnt sich die Mühe oft. Nach einiger Zeit “denkt” man in Rust und vermeidet von vornherein viele Fehler. Die Produktivität kann steigen, weil man weniger Zeit in der Debug-Schleife verbringt. Trotzdem gilt, dass für kurze knappe Projekte oder Teams mit wenig Zeit fürs Upskilling C++ erstmal der bequemere Pfad bleibt.
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Zum KursWie erwähnt, hat C++ Jahrzehnte Vorsprung. Das Ökosystem rund um Rust im Embedded-Kontext wächst rasant, ist aber in manchen Nischen noch unreif. Du hast zum Beispiel einen speziellen Sensor oder ein proprietäres Protokoll, für das es seit langem eine C-Library gibt. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass du diese für Rust (noch) nicht fertig vorfindest. Dann hast du folgende Optionen:
selbst in Rust schreiben
die C-Bibliothek über eine FFI-Schnittstelle einbinden
oder doch in C++ bleiben
In sicherheitskritischen Feldern existieren zudem Zertifizierungs-Prozesse (z.B. MISRA-Standard in Automotive), die bisher vor allem für C/C++ ausgelegt sind. Rust arbeitet an solchen Themen (es gibt z.B. Bemühungen, Rust für MISRA einzusetzen), aber es ist ein Weg, der noch gegangen wird. Auf der anderen Seite ist die Community-Unterstützung bemerkenswert. Die Rust-Embedded-Community (Arbeitsgruppen, Foren, Discord) ist sehr aktiv und viele Probleme lassen sich durch Fragen an die Community schnell lösen. Mit jedem Jahr reift das Ökosystem weiter, was 2018 experimentell war, ist 2024 vielleicht schon stabil und gut dokumentiert. Dennoch gilt, wer heute ein Projekt startet, sollte prüfen, ob alle benötigten Komponenten in Rust verfügbar oder zumindest überbrückbar sind. Für Standard-Mikrocontroller (ARM Cortex-M Familie, RISC-V etc.) ist Rust bereit, aber in sehr exotischen Fällen kann C/C++ noch die einzige realistische Wahl sein.
Realistisch betrachtet sitzen viele von uns auf bestehendem Code. Vielleicht hast du eine große C/C++-Codebasis, die seit Jahren gepflegt wird. Ein kompletter Rewrite in Rust wäre teuer und riskant. Die gute Nachricht ist, dass Rust mit C wunderbar zusammenarbeiten kann. Über das Foreign Function Interface (FFI) lassen sich Rust-Komponenten in C/C++ einbinden und umgekehrt. Einige Projekte fangen so an: sicherheitskritische Module werden in Rust neu geschrieben und dann an das bestehende System angebunden, während der Rest in C/C++ verbleibt. So kann man Stück für Stück Erfahrungen sammeln, ohne alles aufs Spiel zu setzen. Trotzdem ist diese Integration ein Aufwand, denn man muss Schnittstellen definieren, sorgfältig unsafe Blöcke handhaben und das Build-System eventuell anpassen. C++ mag hier anfangs weniger Hürden haben, da es quasi nahtlos mit C zusammenarbeitet und sogar C-Code direkt inkludieren kann. Rust erfordert an den FFI-Grenzen Vorsicht (Speicherübergabe, Strukturen, ABI-Konventionen). Aber es ist machbar und wird bereits praktiziert (zum Beispiel im Linux-Kernel werden neue Treiber in Rust implementiert, die mit dem restlichen C-Kernel koexistieren). Wenn du also viel Legacy-C-Code hast, könntest du Rust zunächst ergänzend einsetzen. Hast du hingegen von Grund auf neu die Wahl, bist nicht durch Altlasten gebunden und kannst ein Grüne-Wiese-Projekt starten, dann spricht viel dafür, Rust direkt zur Hauptsprache zu machen und C++ gar nicht erst aufzubauen.
Rusts Besonderheiten machen es besonders attraktiv für Safety-critical Anwendungen. Überall dort, wo ein Absturz oder unentdeckter Bug katastrophale Folgen haben könnte, etwa in Automotive, Luft- und Raumfahrt, Medizintechnik, schaut man sich Rust sehr genau an. Große Organisationen und Unternehmen experimentieren bereits mit Rust. So hat z.B. ein großer Automobilhersteller angekündigt, Rust in zukünftigen Steuergeräten einsetzen zu wollen, um Speicherfehler auszuschließen. Die US-Regierung empfahl 2024 offiziell, bei sicherheitskritischer Software verstärkt auf Memory-Safe Languages wie Rust zu setzen. Solche Entwicklungen zeigen den Trend, dass Rust ernst genommen wird, wenn es um Zuverlässigkeit geht.
Auch im IoT-Bereich und bei Connected Devices spielt Sicherheit eine wachsende Rolle. IoT-Geräte sind oft übers Netzwerk erreichbar und damit ein Ziel für Angriffe. Ein Pufferüberlauf in einer smarten Glühbirne mag trivial klingen, kann aber einen Einfallspunkt ins Netzwerk bieten. Rust hilft, solche Schwachstellen zu minimieren. Außerdem sind IoT-Geräte meist ressourcenbeschränkt. Rusts Zero-Cost-Abstraktionen sind hier ideal, weil man High-Level Code schreiben kann, der dennoch schlank und schnell bleibt. Projekte wie das Echtzeit-Betriebssystem TockOS (in Rust geschrieben) zeigen, dass selbst auf kleinen Microcontrollern Rust praktikabel ist. Gleichzeitig laufen nach wie vor zig Millionen IoT-Gadgets mit plain C-Code, was so schnell nicht verschwinden wird. C++ (bzw. C) ist hier nach wie vor dominierend, auch weil viele Hersteller-SDKs darauf basieren. Aber gerade Startups und neue Projekte im IoT-Sektor liebäugeln mit Rust, um von Anfang an sichere Firmware zu haben, die seltener gepatcht werden muss.
Zusammengefasst findet Rust seinen Weg besonders dorthin, wo Sicherheit, Stabilität und Wartbarkeit mehr Gewicht haben als die letzte Feinoptimierung oder die pure Vertrautheit bestehender Lösungen. C++ bleibt stark, wo Altbewährtes, breite Unterstützung und vorhandenes Know-how ausschlaggebend sind.
Wann C++ beibehalten? Wenn du ein laufendes Projekt mit viel bestehendem C++/C-Code und begrenzten Ressourcen für einen Technologiewechsel hast, ist C++ weiterhin ein solider Weg. Die Sprache ist ausgereift, dein Team kennt sie in- und auswendig und alle Tools vom Compiler bis zum Debugger sind etabliert. Auch wenn deine Zielplattform sehr speziell ist (etwa ein seltener Mikrocontroller oder ein DSP ohne Rust-Unterstützung) oder wenn du auf Libraries angewiesen bist, die es nur in C/C++ gibt, fährst du mit C++ (noch) besser. In Projekten mit ganz harter Echtzeit (wo z.B. absolut deterministische Laufzeit gefordert ist), fühlen sich einige Entwickler mit C/C++ wohler, weil sie jeden CPU-Takt selbst in der Hand haben, wobei Rust hier theoretisch gleichauf ist, aber eben neu und ungewohnt. Kurzum: Bleib bei C++, wenn du auf seine etablierte Basis angewiesen bist und ein Umstieg mehr Risiko als Nutzen brächte.
Wann Rust wählen? Startest du jedoch ein neues Projekt im Embedded-Bereich und hast die Freiheit in der Sprachwahl, ist Rust eine äußerst attraktive Option. Die Anfangsinvestition ins Lernen zahlt sich durch langfristig weniger Fehler und solideren Code aus. Insbesondere in Anwendungen, wo Zuverlässigkeit über Jahre entscheidend ist (z.B. Geräte, die per Firmware-Update gepflegt werden müssen oder Systeme, die ohne Absturz 24/7 laufen sollen), spielt Rust seine Stärken aus. Die Compile-Time-Safety spart dir unzählige Debugging-Stunden und potenzielle Sicherheitsvorfälle. Dein Code bleibt wartbar, weil viele gefährliche Muster erst gar nicht erlaubt sind und das erleichtert auch zukünftigen Entwicklern (oder dir selbst in zwei Jahren) die Arbeit. Rust ist auch eine tolle Wahl, wenn du moderne Entwickler-Erfahrung schätzt, denn das Ökosystem, die Tools und die Community machen einfach Spaß und fördern gute Praktiken. Gerade für kleinere Embedded-Teams ohne dedizierte QA-Abteilung kann Rust wie ein eingebauter Schutzengel wirken, der auf viele Dinge aufpasst.
Rust vs C++ muss kein Entweder-Oder für alle Ewigkeit sein. Beide Welten können koexistieren. Vielleicht schreibst du sicherheitsrelevante Teile in Rust und nutzt C++ für den Rest und hast so das Beste aus beiden Welten. Die Technologie-Entscheidung sollte immer zum Projekt passen. Rust ist kein Allheilmittel, aber in vielen Szenarien ein deutlicher Fortschritt in Sachen Sicherheit und Effizienz. C++ wiederum hat eine Erfolgsgeschichte, auf der man nicht ohne Grund aufbaut.
Zum Schluss noch ein Tipp: Egal wofür du dich entscheidest, bleib offen für Neues. Die Embedded-Welt entwickelt sich weiter und wer weiß, vielleicht ist Rust in ein paar Jahren so selbstverständlich wie C++ heute. Schon jetzt zeigen Trends, dass memory-safe programming die Zukunft ist. Am Ende soll deine Wahl dir helfen, sichere und performante Embedded-Systeme ohne Umwege zu bauen. Viel Erfolg dabei!
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